Montag, 28. Mai 2007

Es gibt sie noch ...


... die guten Dinge.
Mit diesem Spruch wirbt Manufactum in Waltrop schon seit Jahren. Und jedes Jahr kommt dieser unglaubliche weiße Wälzer ins Haus. Ein Katalog randvoll mit den erstaunlichsten Gegenständen. Seien es handgebogene Büroklammern aus der letzten böhmischen Drahtklammerbiegefabrik kurz vor dem Konkurs oder von schweizer Bergbauern geschnitzten Holzwäscheklammern oder der letzte verfügbare Posten von handgeschöpftem Pinienharz-Papierleim in der originalen Blechdose aus Bergamo. Ein Wunderwelt der unbekannten oder schon vergessenen Waren tut sich auf und wird hingebungsvoll beschrieben. Danach weiß man mehr über den Vorteil des Rasenkantenschneidens von Hand oder warum das Klettern auf Holzleitern viel gesünder sei denn auf schnödem Alumium. Mit Begeisterung taucht man ein, in eine eigene Welt des Einfachen und lernt Neues über die scheinbar alltäglichen Dinge. Wenn die Beschreibung so schön ist, darf es auch etwas teurer sein ... Windmühlenmesser zum Beispiel: mit ungehärtenden Stahlklingen rosten sie zwar, bleiben aber auch länger scharf als spröder Edelstahl. Früher hatte so etwas der Großvater als Gartenallzweckmesser. Es gibt sie natürlich heute wieder bei Manufactum und mit etwas Glück deutlich billiger auf dem Pöttemarkt in einem Grabbelkorb. Doch manchmal dauert es etwas länger, bis man die günstigen Quellen entdeckt.


Als vor über 1o Jahren das Abenteuer Garten begann, hatte Silke schon jede Menge Erfahrung und einen großen Plan. Ich dagegen war eigentlich vollkommen unbeleckt, denn ich hatte mich aus dem Neubaugarten meiner Eltern immer gut rausgehalten. Also musste schnell Fachwissen und bestes Material her. Wie gut, dass der Manufactum-Katalog genau beschreiben konnte, wie ein erstklassiges Staudenpaket in weiß-blau aussehen musste. Rittersporn, Phlox, Katzenminze, Margaritten, Aster, Ehrenpreis, Salbei und Glockenblumen. Nicht irgendwelche Glockenblumen, sondern pfirsichblättrige! Von einer niederbayrischen Staudengärtnerei, die mit echtem Mist düngte und die Schnecken mit Laufenten bekämpfte. Das Paket "Rosenbegleitstauden" war schnell bestellt und in die Firma geliefert. Als es ankam, fragte mich jeder, wo denn die Rosen wären. Nun, für die Rosenbegeisterung war es noch einige Jahre zu früh - aber ich hatte nun immerhin schon pfirsichblättrige Glockenblumen - Campanula persicifolia.



Als ich mit dem Paket im Garten ankam, gab es noch viel Platz in den Staudenbeeten und gemeinsam setzten wir die neuen Pflanzen. Nur meine pfirsichblättrigen Glockenblumen entlockten Silke nur ein leichtes Grinsen - sie zeigte mir die vielen "wilden" Glockenblumen, die schon überall in den Beeten standen. In Weiß und Blau mit langen schmalen lanzettartigen Blättern. Meine Vermutung, dass meine Glockenblumen vielleicht doch anders seien, war natürlich haltlos: Wir hatten einen Garten voller Campula persicifolia.




Nach über 10 Jahren Wildwuchs ist für die Glockenblumen leider zu eng in den Beeten geworden. Sie wachsen nur noch in den Fugen der Betonfläche, nutzen die Gartenliege als Rankhilfe und Schutz. Und sie nutzen die schmalen Zwischenräume der Garagenzufahrt vor dem Haus. Hier vermehren sie sich und blühen in üppigen Blütenständen. Sie begrüßen uns, wenn wir mit Auto die Auffahrt hinaufkommen. Und wir freuen uns, dass es sie noch gibt - die pfirsichblätterigen Glockenblumen.

Fotos: W.Hein

Montag, 7. Mai 2007

www am 1. und 6. Mai 2007 - die offene Pforte



www - Wild wuchernde Waldmeisterblüte.
Unter diesem Titel luden wir am 1. Mai Gartenfreunde zur
"offenen Pforte Hannover 2007" in unseren Garten ein.
Da wir die Besucherzahlen im Voraus überhaupt nicht
einschätzen konnten, haben wir unseren Nachbarn am 6. Mai
einen zusätzlichen Termin angeboten. So hofften wir mehr
Zeit für Gespräche mit allen Gästen zu haben. Denn gerade
auf den Austausch mit Garteninteressierten und Nachbarn
freuten wir uns besonders.

Und hier ist unsere offene Pforte ...

vorbei am Regal mit etwas DekoGerümpel ...

in den Garten.

Pünktlich um 15.00 Uhr kamen die ersten Gäste zum Gartenrundgang.

Im Gänsemarsch ging es über den Steg.

Der leichte Sommerwind hatte die herabfallenden Apfelblüten
an die Beetränder gefegt.

Auf der Betonfläche verschafften sich die Besucher
einen Überblick vom mittleren Teil des Gartens.

Überall in den Beeten haben sich blaue Akeleien ausgesamt.

Auf den verschlungenen Pfaden ging es
in die letzten Winkel des Gartens.

Dies ist der verschlungene Pfad entlang der Brombeerhecke,
der bis zu den vergessenen Gemüsen führt.

In einem Wildwuchs gab es einiges zu entdecken.

Hier erhoben sich die Farne im Sonnenlicht über Gedenkemein,
Immergrün, Steinsame, Beinwell und Waldmeister.

Maus hatte keine Zeit für die Gäste - sie war auf Mausejagd.

Im Waldmeister raschelte und piepste eine Spitzmaus.

Entwischt!

Auch am Aluteich war es für die Kinder spannend.

Teichmolche und Posthornschnecken tummelten sich im Wasser.
Die Frösche waren aber ganz schnell abgetaucht. Dafür fanden d
ie
Wasserlinsen einen sehr glücklichen Abnehmer. Auch einige
Waldmeisterpflanzen wurden trotz ihrer erwiesenen Fähigkeit
zur Wucherei gern für andere Gärten mitgenommen.

Waldmeisterlich ging es auch bei den Erfrischungen zu.
Waldmeisterbowle, Waldmeisterbrause und Götterspeise mit
Waldmeistergeschmack für die Pause zwischendurch.

Passend zum Grün der Götterspeise gab es Frösche
aus Weingummi - wegen der 7 kleinen Frösche im Aluteich.
Das antike Bowlegefäß aus den 30ern - eine Leihgabe
aus der Schauvitrine von Silkes Großmutter. So ein Prachtstück
braucht man eigentlich fast nie, aber hier hatte es seinen
perfekten Auftritt. Bei diesen sommerlichen Temperaturen
führte sich ein Gartengespräch viel beschwingter mit einem Glas
Bowle in der Hand. Ohne die Hilfe unserer Freunde hätten wir
jedoch viel weniger Zeit für unsere Gäste gehabt. Denn innerhalb
der drei Stunden besichtigten über 70 Besucher am 1. Mai unseren
Wildwuchs. Am Sonntag waren dann fast 30 Nachbarn auf den
Garten gespannt. Wir haben unsere Gartengäste ausnahmslos als
sehr rücksichtsvoll erlebt. Obwohl unsere Wege sehr schmal sind
und auch die hintersten Ecken erkundet wurden, blieb der
Garten unversehrt. Dafür allen Beteiligten ein herzliches Danke!

Brausepulver mit Waldmeistergeschmack - für viele
eine Erinnerung an Kindertage.

Wer den Termin verpasst hat oder keine eigenen Fotos
machen konnte, hat jetzt die Möglichkeit,
einen
Gartenrundgang auf unserem Gartenblog
"Wildwuchs unter Aufsicht" zu machen.

Fotos: S.Schneider & W.Hein